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Herzlich willkommen auf der Internetseite des Eifelverein Ortsgruppe Untermosel

Geiz ist geil – Wie spart man einen Traditionsverein kaputt?

Rede auf der Frühjahrstagung des Eifelvereins am 16. Mai 026 in Düren


Liebe Wanderfreunde, es ist seit vielen Jahren einer der Höhepunkte meiner Arbeit als Hauptkulturwart, auf der Frühjahrstagung die Verleihung des Wolf-von-Reis-Kulturpreises zu moderieren. Heute Morgen bin ich jedoch mit sehr gemischten Gefühlen nach Düren gefahren, denn ich habe mir die Frage gestellt: Kann ich es eigentlich verantworten, angesichts der Finanzlage des Vereins und angesichts der Diskussion um eine Beitragserhöhung den stolzen Betrag von 1.750 € aus dem Fenster zu werfen und dann auch noch für etwas so überflüssiges wie Kultur?

 


Um mit Letzterem anzufangen: Der Eifelverein ist an erster Stelle ein Wander- und Geselligkeitsverein, hat aber nach seiner Satzung auch noch andere Aufgaben und unter diesen steht „die heimatkundliche und kulturelle Tätigkeit“ an erster Stelle. Unser Verein sieht also eine wichtige Aufgabe darin, das Wissen um die Eifel zu vermehren und einem breiten Publikum zu vermitteln. Diese Aufgabe ist heute wichtiger denn je, denn wie soll man denn eine deutsche Leitkultur oder eine Eifeler Tradition bewahren, wenn unser Wissen immer mehr schwindet und nicht mehr an die nachwachsende Generation weitergegeben wird? Die Digitalisierung hat diesen Prozess eher noch verschärft, weil viele, die irgendetwas im Internet gefunden haben, erst alles glauben, was sie lesen, und sich dann zudem auch für Experten halten. Ich will nur ein Beispiel nennen: Das Eifeljahrbuch, unser Flagschiff der Eifelforschung, ist bis zum Jahre 1955 digitalisiert; im Internet fehlen also die letzten 71 Jahre. Der Verlust an kultureller und historischer Bildung ist eine existentielle Bedrohung unserer Gesellschaft, weil wir nicht mehr wissen, wo wir herkommen und wo stehen und es erlauben, dass sich politische Extremisten unserer Gedenkkultur und unserer kulturellen Tradition bemächtigen.

Meine Antwort hat aber noch einen zweiten Teil, und der ist spannender, weil es um die Finanzen. Erstens: Die Preisgelder, die wir heute verteilen, stammen nicht aus Ihren Mitgliedsbeiträgen, sondern aus den Erträgen der Wolf-von-Reis-Stiftung, die unser ehemaliger Schatzmeister errichtet hat, um die Kulturarbeit im Eifelverein zu fördern. Diese Erträge sind zweckgebunden, d. h., wenn wir sie nicht satzungsgemäß ausgeben, dann müssen wir die 1.750 € zurückzahlen. Daraus lernen wir zweitens, dass ein Vereinshaushalt eine recht komplizierte Angelegenheit ist. Er passt weder auf einem Bierdeckel noch kann er von einem Milchmädchen erledigt werden. Diese Sachkenntnis habe ich bei vielen Diskussionen der letzten Monate vermisst. Es ist z. B. ein pfiffiger Vorschlag, unsere Mitgliederzeitschrift nach 126 Jahren durch einen digitalen Newsletter zu ersetzen. Aber wer von unseren älteren Mitgliedern wird diesen noch lesen? Und wer weiß, dass wir dann stattliche Einnahmen durch Anzeigen und erhebliche Druckkostenzuschüsse verlieren? Vor allem aber verlieren wir ein Sprachrohr, was ich umso mehr bedaure, weil der Eifelverein in der Tagespresse kaum noch vorkommt. Dies führt mich zu meinem dritten Punkt: Es ist eine Hauptaufgabe der Vorstandsmitglieder, nicht etwa Geld auszugeben, sondern Geld zu beschaffen. Aber wie soll ich einen Geldgeber von der Arbeit unseres Vereins überzeugen, wenn dieser in der Öffentlichkeit kaum noch wahrgenommen wird? Und zum vierten: Wir müssen über Geld streiten und wir machen das schon seit 1888. Aber die Frage, wie viel Geld wir ausgeben und wofür, für Wanderführerlehrgänge, für eine Zeitschrift oder aber für Wanderkarten, die entscheiden nicht „die in Düren“, sondern das haben Sie auf den Frühjahrstagungen beschlossen. Was man bestellt hat, muss man aber auch bezahlen.

Und hier ist für mich die entscheidende Frage: Was ist uns unser Verein wert? Wenn wir sagen „Geiz ist geil“ und unsere Brötchen beim Discounter kaufen, brauchen wir nicht zu jammern, wenn der Bäcker um die Ecke schließt. Wer bei Amazon kauft, sorgt dafür, dass der Einzelhandel verschwindet und wer nicht mehr in die Kirche geht, darf nicht klagen, wenn sie geschlossen und verkauft wird. Das gilt auch für die Frage, ob wir den Eifelverein zukunftsfähig machen wollen. Was ist uns unser Verein wert? Um die Kirche im Dorf zu lassen: Die Mitglieder meiner Ortsgruppe geben bei jeder Einkehr nach einer Wanderung mehr aus als ihren Jahresbeitrag, und zwar nach der Erhöhung. Eine Tankfüllung kostet heute das doppelte, unser Sportverein das Vierfache und ein Netflix-Abo das fünffache. Ich weiß, jeder muss auf seinen Geldbeutel achten. Aber wenn Sie sagen „Geiz ist geil“, dann machen sie damit nicht nur deutlich, dass Ihnen der Eifelverein nichts wert ist. Sie senden damit auch ein Signal an die vielen ehrenamtlich Tätigen, die sich in ihrer Freizeit und oft auch finanziell engagieren und dafür stets gutgemeinte Ratschläge und reichlich Kritik bekommen. Aber ist unsere Arbeit keinen Euro im Monat mehr wert? Wir diskutieren darüber, ob wir uns von zwölf auf acht oder gar wie auf einem Basar auf sechs Euro herunterhandeln lassen sollen. Damit frustrieren wir nicht nur unsere Ehrenamtler, sondern wird fahren einen Traditionsverein an die Wand, indem wir ihn kaputtsparen. Ich hoffe jedenfalls, Sie kommen nachher zu einer weisen Entscheidung und ich komme jetzt endlich zum Thema meiner Rede: 

Der Eifel- und Heimatverein Breinig hat das 1882 errichtete schmiedeeiserne Tor des Friedhofs wiederherstellen lassen. Dieses landete 1967 in einer Lagerhalle und wurde dort vergessen. 2022 wurde es wiederentdeckt und mit großem Aufwand restauriert. Hier wurde ein bedeutendes Kunstwerk des Historismus gerettet, das an die großbürgerliche Friedhofskultur des wilhelminischen Zeitalters erinnert. Der Verein hat erhebliche Geldmittel mit regelmäßigen Bücherbasaren aufgebracht. Zudem wurde die Einweihung groß gefeiert und in der Presse registriert, so dass die Aktion auch öffentliche Anerkennung gefunden hat. Für diese großartige Leistung gibt es einen Preis in Höhe von 600 €.

Mit einem völlig anders gearteten Projekt bewarb sich der Eifelverein Bleialf. Mit der Wiederherstellung eines 2010 errichteten, jetzt aber in die Jahre gekommenen Holzkohlenmeilers hat die Ortsgruppe einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, historisches Wissen zu bewahren und künftigen Generationen zu vermitteln. Für das Projekt hat sie nicht nur erhebliche Geldmittel bereitgestellt und Sachspenden gesammelt, sondern auch 200 Stunden ehrenamtliche Arbeit investiert. Der Anschauungsmeiler liegt an dem Premiumwanderweg und wird so regelmäßig von Wandergruppen besucht. Das ist uns einen Preis in Höhe von 500 € wert.

Die Bewerbung der Ortsgruppe Kalterherberg mit einem Projekt „Krippenweg“ hat zunächst für Stirnrunzeln gesorgt, weil es Weihnachtskrippen schon in großer Zahl und das vor allem in Kirchen gibt. Doch dann haben wir gesehen, dass es sich um „Outdoor-Krippenstationen“ handelt, die mit einem Krippenweg verbunden sind und dem Wanderer so die Weihnachtsgeschichte vermitteln. Als wir gelesen haben, dass es Informationstafeln, Pressemeldungen und Berichte im Fernsehen gegeben hat, haben wir festgestellt, dass das Projekt mit 400 € honoriert werden muss.

An die Wanderungen der Ortsgruppe Trier habe ich viele schöne Erinnerungen, so auch an den Schweicher Heilbrunnen im Meulenwald. Quellheiligtümer im Allgemeinen sowie die gepflegte Anlage mit ihrer schönen Marienkapelle von 1833, ihrem Kreuzweg von 1889 und ihrer Baumallee im Speziellen stellen bemerkenswerte Kulturdenkmäler dar. 2024 beschädigte ein Sturm die Anlage, und so ist die Initiative der Ortsgruppe, die Wiederherstellung mit einer namhaften Spende zu unterstützen, einen Sonderpreis in Höhe von 250 € wert. Allen vier Ortsgruppen danke ich ganz herzlich für Ihre Arbeit. Das Preisgeld ist gut bei Ihnen aufgehoben, Sie können es aber auch gerne dem Hauptverein spenden.

OG Untermosel

Friedrichstr. 39
56333 Winningen

info@eifelverein-untermosel.de

Tel. 02606-961757


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Anmeldungen

Anmeldungen zu allen Wanderungen bei Norbert Escher (02607 / 6383) Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.


Nächste Termine

Sonntag, 14. Juni
10:00 Uhr
Wanderung von Monreal nach Mayen (RW)
Mittwoch, 17. Juni
11:00 Uhr
Nievern – Miellen – Schweizertal – Frücht – Malberg
Sonntag, 21. Juni
10:00 Uhr
Folge dem Ritter der Kokosnuss (RW)

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